DAN Davis
  KORMAZZ
  KORMAZZ
           
                                Lie
s dieses Buch nicht!
                              Es
könnte Dein letztes sein.....

  DIE LETZTE VERSUCHUNG
  DIE LETZTE VERSUCHUNG

K ormazz

KORMAZZ


LESEPROBE 3:

   Endlich! Der strohblonde Mann stand an der viel befahrenen Hauptstraße und blickte auf das Bürogebäude gegenüber. Es war strahlend blauer Himmel, als er die Fahrbahn überquerte und schnellen Schrittes auf den Eingang zusteuerte. Noch einmal blickte er an der grauen Fassade nach oben in den blauen Himmel. Dann verschwand er zielstrebig durch die Drehtür im Gebäude.


   Dort angekommen schaute er sich kurz um und erkannte zwei nebeneinander befindliche Aufzugtüren, wie man sie in unzähligen anderen Häusern ebenfalls vorfand. Als sich eine der beiden Türen öffnete, lächelte ihn eine ältere Dame an, die vermutlich von einem der unter dem Komplex befindlichen Parkdecks kam. Auf ihrem Kopf trug sie einen merkwürdigen Hut mit einer schwarzen Schleife. Er lächelte zurück als er den Fahrstuhl betrat und drückte beschwingt auf den Leuchtknopf mit der Ziffer „3“, worauf sich die Türe wieder schloss. Heute war es endlich so weit! Der Tag, auf den er so viele Jahre gewartet hatte, war gekommen! Heute würde er die Wahrheit erfahren! Die Wunder des Universums und all die Geheimnisse, die es umgaben – er würde sie in wenigen Minuten lüften.


   Ein Grinsen zog sich über das markante Gesicht des 45-jährigen Mannes. Dann huschte sein Blick verstohlen auf seine geschlossene zur Faust geballte rechte Hand, die er jetzt langsam öffnete, worauf ein zerknüllter weißer Zettel zum Vorschein kam. Zufrieden schloss er sie wieder. Ein kurzes „Bing!“ ertönte, als der Fahrstuhl den dritten Stock erreicht hatte und die Schiebetüre sich öffnete. Für ihn war es, als würde er einer Zeitmaschine entsteigen, als er in die veränderte Umgebung vor der Kabine schaute. Noch ein kurzer Blick auf die alte Dame mit dem Hut, die erneut freundliche lächelte, und offensichtlich in eines der oberen Stockwerke wollte. Dann verließ er die Zeitmaschine durch das nun geöffnete Tor und steuerte durch einen langen Flur auf eine offene Türe zu, an der auf einem silbernen Schild mit schwarzen Lettern „Architekturbüro Gebr. Junghans“ stand. Darin begrüßte ihn lächelnd eine freundliche dunkelhaarige junge Dame, die an einem sehr modernen aber nur spärlich eingerichteten Empfang vor ihrem Bildschirm saß.


   „Mein Name ist Kai Uwe Binder! Ich habe einen Termin mit Peter Junghans!“ Die hübsche Frau warf einen fragenden Blick in ein kleines Büchlein. Die Hand mit den rot lackierten Fingernägeln fuhr suchend über die Seite des Terminplaners. Danach richtete sie ihren Blick erneut auf den vor ihr stehenden Herrn und erwiderte freundlich: „Herr Binder! Das soll ich Ihnen geben!“ Sie reichte ihm einen weißen verschlossenen Briefumschlag. „Herr Junghans wird in wenigen Minuten Zeit für Sie haben. Wenn Sie solange bitte in unserem Wartezimmer Platz nehmen wollen?“ Der Mann folgte ihrem Blick und bedankte sich freundlich, während er sich in den leeren Raum begab, der an das Wartezimmer einer modernen Zahnarztpraxis erinnerte. Dort angekommen schaute er kurz über die Stühle und den kleinen Tisch mit den Zeitungen darauf. Dann nahm er den zerknüllten Zettel aus seiner rechten Hand und steckte ihn in eine der Zeitschriften, legte diese wieder an ihren Platz zurück. Anschließend öffnete er den Briefumschlag, der nun achtlos auf den steinernen marmorierten Boden fiel. Kai Uwe Binder blickte für einen kurzen Moment auf das Blatt Papier, das er dem Umschlag entnommen hatte. Erneut huschte ein Lächeln über seine Lippen. Dann öffnete er das Fenster, stieg auf den weißen Sims und sprang in die Tiefe. Der dumpfe Aufschlag unten auf dem Asphalt beendete sein Leben.


...

   Faun stand in seiner Wohnung und überlegte. Sollte er es tatsächlich wagen? Unschlüssig darüber, ob es rechtens wäre oder nicht, wedelte er mit einem kleinen Gegenstand in seiner Hand herum, der offensichtlich der Anlass seiner Gewissensbisse war. Und wenn doch jemand dahinter kam? Er konnte doch nicht einfach…


  Es wurde bereits dunkel. Ein Blick aus seinem Fenster zeigte die hell erleuchtete Fassade eines riesigen Hochhauskomplexes, zu dessen Wohnanlage auch jenes Haus gegenüber gehörte, in dem er gerade im 22. Stock seiner Wohnung stand und unschlüssig wirkte. Doch wer sollte schon davon erfahren? Er könnte sich ja damit herausreden, dass er nur nach einem Hinweis auf den Eigentümer gesucht habe. Er ließ seinem Blick über den nahe gelegenen Flughafen schweifen. Dann ging ein Ruck durch seinen Körper und er steckte den kleinen Stick, den er unten vor Block C auf dem Weg gefunden hatte, in seinen Computer.  


   Ein kleines Kästchen öffnete sich auf dem Bildschirm mit der Beschriftung „Wechseldatenträger (E:)“. Darunter die Auswahlmöglichkeit „Ordner öffnen um Dateien anzuzeigen“.


    Faun machte einen Doppelklick darauf, um danach das Symbol rechts oben für „Datei auf dem ganzen Bildschirm anzeigen“ zu klicken. Eine Vielzahl gelber Ordner und blauweißer Word-Dateien mit Namenszuordnungen erschienen.


   Doch nach was sollte er suchen?


   Faun klickte eine der Word-Dateien mit der rechten Maustaste an, worauf sich ein weiteres Bedienfeld mit mehreren Auswahlmöglichkeiten öffnete. Der junge schlaksige blonde Mann klickte zielstrebig auf die Wahlmöglichkeit „Eigenschaften“. Vielleicht hatte der Besitzer beim Schreiben der Datei unbeabsichtigt Informationen über sich hinterlegt. Denn wenn dieser nach der Installation seines Rechners seine Daten darauf gespeichert hatte, würde unter Umständen dies auch als Hintergrundinformation der Word-Dateien zu finden sein. Vorausgesetzt diese Person hatte die Nutzerdaten dort nicht nachträglich wieder herausgelöscht. Faun klickte mit der rechten Maustaste auf die Funktion „Dateiinfo“.

 

   Bingo!

 

   Er wusste nun, wie der Besitzer des Datensticks, den er gefunden hatte, hieß. Denn unter der Rubrik „Autor“ stand der Name Kai Uwe Binder.


...

   Es war bereits spät am Nachmittag, als John Roberts mit seinem schwarzen Ford Mustang auf dem staubigen Highway stoppte. Er hatte gehofft, er würde es noch bis zur nächsten Gas Station schaffen, aber bis dahin waren es noch über 20 Meilen und die Tankuhr zeigte seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen mehr. Hing fest im tiefroten Bereich. Kein größeres Problem, denn im Kofferraum befand sich ein voller schwarzer Benzinkanister, der nur darauf wartete, endlich aus der Ansammlung von Müll und Schrott herausgeholt zu werden, die Roberts dort um ihn geschart hatte. Er stieg aus, lief um den Wagen und öffnete den Tankdeckel. Danach schraubte er den Einfüllstutzen auf den Kanister und begann damit, den Sprit einzufüllen.


   Ohne den Kanister würde er ganz schön in der Scheiße sitzen, hier mitten im Nirgendwo, weit abseits von Las Vegas.


   Begleitet von den gierigen Geräuschen, mit denen der Wagen den Lebenssaft in sich aufzusaugen schien, blickte er sich gelangweilt um. Dabei viel ihm ein Gegenstand abseits der Straße ins Auge, der dort ganz sicher nicht hingehörte. Als die letzten Tropfen aus dem schwarzen Behälter in der Tankleitung verschwunden waren, entfernte er den roten Stutzen, schraubte den Verschluss auf den Kanister und warf ihn zurück in den Kofferraum. John verschloss den Tank und lief zu dem Objekt, welches abseits des Highways seine Aufmerksamkeit erregt hatte.

 

   Er bückte sich.

 

   Vor ihm lag ein aufgeschlagenes Buch, dessen Seiten mit Sand und Dreck überzogen waren. Er hob es auf, blickte auf den Einband und machte Anstalten, es wieder auf den Boden der kargen Landschaft werfen zu wollen, besann sich dann aber eines Besseren und drehte es um.


   Gelangweilt begann er damit, den Text auf der Rückseite des Buches zu überfliegen. Nach wenigen Sekunden zeigten seine Gesichtszüge eine Regung, die unerwartetes Interesse vermuten ließ, das sich sogar noch zu steigern schien und dafür sorgte, dass es am Ende zu einem erstaunten Gesichtsausdruck bei ihm führte. Als er zu Ende gelesen hatte, schüttelte er das Buch ein wenig, so dass Staub und Dreck nach unten rieselten. Danach warf er es auf den Rücksitz seines Wagens, stieg ein und startete den Motor.


    Mit durchdrehenden Reifen und einer Fontäne aus Staub entfernte sich der Wagen vom Ort des Geschehens, an dem vor nicht allzu langer Zeit noch zwei Cops eine merkwürdige Entdeckung gemacht hatten.

 

   Doch davon ahnte John Roberts nichts. 

 

...

  Wenn dieser Kai Uwe Binder den Stick hier ihn der Wohnanlage verloren hatte, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er irgendwo hier in seiner Nähe wohnte. Um das herauszufinden musste Faun aber einige Recherchen betreiben, denn zu der Anlage gehörten neben einen Schwimmbad, einer Sauna, einem Restaurant, einer Kapelle, einem Kindergarten, einem Fitnesscenter, einem Einkaufszentrum und einigen Tennisplätzen drei riesige Hochhäuser mit jeweils drei Eingängen, in denen über 1500 Menschen lebten. Alle Klingeln oder Briefkästen nach dem Namen Binder abzuklappern, würde etwas dauern. Also entschied er sich auf dem Stick selbst nach weiteren Informationen zu suchen.

 

  Eine Bilddatei erregte seine Aufmerksamkeit, die den Titel „WOW“ trug. Darin waren 18 Fotos. Als Faun eines davon anklickte, verschlug es ihm den Atem. Denn was hier zum Vorschein kam, war die vielleicht schönste Frau, die er jemals in seinem Leben gesehen hatte. Er klickte auch die anderen der mit „WOW1“ bis „WOW18“ betitelten Bilder an und öffnete sie. Alle zeigten dieselbe blondhaarige Frau. Faun schätzte das engelsgleich aussehende Wesen auf etwa 20 Jahre, welches sich hier in zumeist nicht ganz jugendfreien Posen professionell hatte ablichten lassen. Keine Frage, für ihn war sie das Sinnbild seiner erotischsten Fantasien. Ein zu Fleisch gewordenes Abbild seiner Traumfrau. Er schloss für einen Moment die Augen. Danach die Datei - und fuhr seinen Computer herunter. Er musste den Stick zurückgeben. Er durfte ihn nicht behalten. Nachdem er einige Zeit darüber nachgegrübelt hatte, was zu tun sei, steckte Faun ihn in seine Jackentasche und verließ die Wohnung.

 

...

   Irgendjemand redete, doch er konnte nichts davon verstehen. Alles war verschwommen. Er wusste nicht wo er sich befand und war sich nicht sicher, was geschehen war. Alles um ihn herum erschien ihm wie ein bizarrer Traum. Dunkle Schatten bewegten sich in seiner Nähe, doch er konnte sie nicht zuordnen. Wie in einem LSD-Rausch nahm er Töne und Bilder wahr, die so ganz anders wirkten, so unwirklich. Und dann diese Stimmen… Diese…

    Jack Simmons versuchte sich zu erinnern. Eine Frau mit dunklen Haaren tauchte in seiner Erinnerung auf. Er hörte ihr Lachen. Es hallte in ihm nach wie in einem Konzertsaal. Dieser Blick, der ihn durchdrang … Irgendetwas knallte … Und noch mal. Und noch mal… Jack versuchte erneut, seine Augen zu öffnen. Doch auch diesmal sah er nur verschwommene Umrisse, schwarze Schatten. Hörte Stimmen.

 

   „Ja-ack!… Jaackyy!“

 

   Irgendjemand schien nach ihm zu rufen. Er versuchte sich aufzurichten. Doch er schaffte es nicht. Sein Körper gehorchte ihm nicht mehr.


    Etwas berührte ihn. Am linken Fuß.


    Wieder rief ihn jemand. Jetzt gelang es ihm, das Lachen von weiblichen Personen herauszufiltern, die sich im selben Raum wie er befanden und sich offensichtlich über ihn lustig machten. Eine Hand berührte sein Gesicht. Eine weibliche Hand.


    Jack versuchte verzweifelt zu erkennen, was um ihn herum geschah. Und jetzt konnte er für einen kurzen Moment einige Personen in schwarzen Roben sehen. Nur für einen Sekundenbruchteil. Dann verließ ihn seine Kraft – wie ein dunkler Sog zog ihn etwas nach unten, weg von dem Geschehen. Durch den Boden, auf dem er lag. Weg von allem.

 

   Dunkelheit. 


...

   Fauns Blick wanderte über die Namenschilder der Klingeln von Block A. Nichts. Auch die Suche bei Block B brachte keinen Erfolg. Blieb nur noch Block C. Beim Eingang mit der Nummer 60 fand er dann endlich, was er suchte: Binder! Sein Zeigefinger näherte sich schon dem viereckigen Klingelknopf, als er kurz davor verharrte. Moment mal! Wie sollte er diesem Kai Binder denn erklären, dass er auf seinen Namen gekommen war? Ihm würde sofort klar werden, dass er dies nur wissen konnte, weil er seine Dateien durchstöbert hatte. Seine Hand entfernte sich wieder aus der Nähe der Klingel. Nur nichts überstürzen! Oder sollte er einfach den Stick in den Briefkasten werfen, der sich innerhalb des Gebäudes befand? Die Idee gefiel ihm schon besser.

 

   Aber was, wenn ihn jemand dabei sah und erkannte? Vielleicht behauptete dieser Binder am Ende noch, er habe ihm diesen Stick gestohlen! Er sollte den Gegenstand zuvor lieber in einen unauffälligen weißen Umschlag stecken. So würde er es machen. Er würde ihn noch einmal mit nach Hause nehmen und unauffällig verpacken. Faun blickte auf das Einkaufszentrum, welches sich neben Block C befand. Er könnte sich hier etwas Essbares und ein paar Flaschen Cola besorgen, wenn er schon einmal hier war. Er lief in die kleine Einkaufspassage, um danach in dem Eingang des Supermarktes zu verschwinden. Mit drei Packungen Salamipizza und drei Flaschen Cola stand er kurze Zeit später in der Schlange an Kasse 2. Als er gezahlt hatte verließ er das Gebäude Richtung Block B. Nachdem er einen kleinen künstlich angelegten See passierte hatte, blieb der junge schlaksige Mann plötzlich wie angewurzelt stehen.


   Konnte das sein?


   Langsam schaute er über seine Schulter zurück. Bestimmt hatte er sich getäuscht. Er schloss für einen kurzen Moment die Augen. Danach blickte er wieder in Richtung See. Langsam lief er zurück in Richtung des Gewässers, wobei sich auf den Pizzakartons in seinen Armen die Colaflaschen türmten. Nach wenigen Metern stoppte er. `Mist! Jetzt dreht sie sich um!` kam es ihm in den Sinn. Aus Unachtsamkeit verselbstständigte sich die oberste Plastikflasche und fiel vor ihr zu Boden.

 

   Das blonde Mädchen blickte auf Faun, der verzweifelt versuchte, die Flasche vom Boden aufzuheben, ohne den Rest seiner Einkäufe auch noch aufsammeln zu müssen. Jetzt stand sie direkt vor ihm! Er hatte sich nicht getäuscht! Das „WOW-Mädchen“!


                                                                                      © by Dan Davis, 2015, eine Veröffentlichung ohne ausdrückliche Genehmigung wird untersagt.

 

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KORMAZZ - Original novel Soundtrack
(Kostenlose Hörprobe Track 9)
0:00/6:22

Kostenlose Hörprobe  aus dem bald erscheinenden Soundtrack zum Roman "KORMAZZ"  von DAN DAVIS, , mit freundlicher Genehmigung von EISENBERG édition musicale/Hanseatic Musikverlag GmbH, administriert von WARNER/CHAPPELL, Hamburg - GEMA.