DAN Davis
  KORMAZZ
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  DIE LETZTE VERSUCHUNG
  DIE LETZTE VERSUCHUNG

K ormazz

KORMAZZ


LESEPROBE 2:

 

   McKansey warf die schwarze Tasche auf den Tresen der kleinen Polizeidienststelle, in der er sich mit einer Handvoll Kollegen den Dienst in dieser gottverlassenen Gegend teilte. „Hey, Murdock!“ rief er einem älteren dickbäuchigen Mann in Uniform zu, der außer ihm und Bradley heute Nacht hier Dienst abfeierte. „Kennst Du den schon? Ruft ein Bulle im Innendienst bei der Störungsstelle an und sagt: Entschuldigen Sie, meine Telefonschnur ist zu lang, können Sie an Ihrem Ende etwas ziehen? Hahaha…“  McKansey lachte sich über seinen eigenen Witz kaputt, während die beiden Kollegen grimmig die Köpfe schüttelten und die Augen verdrehten. Als er die Stille um sich bemerkte, unterbrach er sein Gelächter und fragte: „Was? Darf man nicht mal mehr einen Witz machen? Oder habt ihr ihn nicht verstanden?“


   Ein fragender Blick in die Runde brachte für McKansey nicht die gewünschte Reaktion. „Man, ihr könnt ja nicht mal bis 3 zählen und arbeitet hier mit mir zusammen an…“ Sein Kopf nickte in Richtung der schwarzen dreckigen Tasche. „Da draußen ist irgendetwas passiert … Und ich verstehe nicht, was…“


    Sein nachdenklicher Gesichtsausdruck wich erneut einem breiten Grinsen. Doch anstelle eine Erklärung für die Tasche abzugeben, meinte er: „Kennt Ihr den schon? Treffen sich 3 Schlampen an einer Bar. Sagt die eine zu den anderen: `Schau Dir die da drüben mal an, was ist das den für ne billige Ritze? Ich wette, die kann nicht mal bis 3 zählen!` Da kommt die Ritze rüber zu den 3 Schlampen und sagt: Hallo Ihr zwei, habt Ihr noch eine mitgebracht…? Ha … hahaha, hihi, hoho…“ erneut brach McKansey in grölendes Gelächter aus, wobei sich Tränen in seinen Augen bildeten. Davon bekam sein Kollege Bradley allerdings nichts mit, denn dieser hatte inzwischen die schwarze Tasche geöffnet und hakte schließlich nach: „Sag mal, hast Du nicht gesagt die Tasche ist leer?“ McKansey unterbrach seine Lachnummer und kam zu Bradley, um über dessen Schulter in die Tasche zu schauen. „Ja klar, ich habe sie doch umgedreht, die war so leer wie Deine Hose…“


  Ungläubiges Erstaunen trocknete die Tränen. „Was ist das denn…? Verdammt, die Tasche war doch leer…!“


   Irritiert durch das Verhalten seiner Kollegen stand nun auch der behäbige Murdock auf, dackelte langsam zur Theke, um einen Blick in das dreckige schwarze Leder zu erhaschen. Nachdem er hineingeschaut hatte schüttelte er den Kopf und lief langsam zurück zu seinem Schreibtisch. „Wegen dem blauen Ding klotzt ihr, als ob Jesus vom Kreuz gefallen wäre? Ist doch nur `ne Figur…!“

...

   Die kleine Jasmin saß auf dem Boden ihres neuen Zimmers. Ihr gefiel Amsterdam auf Anhieb. Sie mochte die Kanäle und Wasserstraßen, die sich durch die Stadt zogen. Die vielen Brücken. Und sie mochte ihr neues Spielzeug. Sie hatte es bereits gestern im Gebüsch neben einer Straße entdeckt und heimlich in ihre Jacke gesteckt. Danach hatte sie es im Garten der neuen Jugendstil-Villa vergraben, als sie nach Regenwürmern gesucht hatte. Doch plötzlich lag es einige Meter weiter neben dem Gartenzaun. Es konnte gar nicht anders sein: das kleine blaue Ding in ihren Händen hatte Zauberkräfte! Und dies machte es automatisch zu ihrem neuen Lieblingsspielzeug!


     „Jasmin! Kommst Du? Wir wollen Essen!“ Ihre Mutter rief von der Küche im Erdgeschoss, und die Worte sorgten dafür, dass das kleine Mädchen wie von der Tarantel gestochen aufsprang und tänzelnd durch die Zimmertür hüpfte, um danach polternd die Treppe nach unten zu rennen. Zurück blieb die kleine blaue Figur auf dem Zimmerboden. Und etwas unter dem Bett…


...

  Ja, aber die Figur war vorhin noch nicht drin! Da war die Tasche noch leer. Ich habe sie doch vor Bradley umgedreht…“ „Ach… Ist doch Blödsinn…!“ kam es etwas verärgert aus Murdock. Er kannte McKansey jetzt schon über vier Jahre und auch seinen Humor. Bevor er in Betracht ziehen würde, dass eine blaue Figur wie durch ein Wunder in einer Tasche einfach so auftaucht, die zuvor noch leer war, würde er an rosa Kaninchen glauben, die über dem Revier schweben und in der Luft Purzelbäume schlagen.  


   McKansey nahm den blauen Gegenstand aus der Tasche. „Was ist das, verdammt…? Wie kommt das in die Tasche…?“ Er betrachtete den blauen Pelikan in seiner Hand. „Na, sieht aus wie ein Vogel…“ antwortete Bradley, und ergänzte: „Vielleicht ist er hineingeflattert…“ Jetzt war McKansey es, der sich veräppelt zeigte und erwiderte: „So ein Blödsinn! Ich habe in die Tasche hineingeschaut und sie war leer! Ich habe sie umgedreht, vor Dir! Wie oft soll ich das noch sagen! Wenn irgendetwas in ihr gewesen wäre, spätestens dann wäre es herausgeflogen…“ McKanseys grübelndes Gesicht klärte sich auf und verzog sich erneut zu einem breiten wissenden Grinsen. „Sag mal … Ihr beide wollt mich verarschen!“ Er schüttelte grinsend seinen Kopf. „Jungs – da müsst Ihr echt früher aufstehen! Das ist eine ganz billige Nummer! Ganz billig… Vor Euch steht ein Profi. Schon vergessen? McKansey der Dritte!“ Mit diesen Worten nahm er den blauen Pelikan und stellte ihn auf ein kleines Sideboard an der Wand, zwischen das Bild seiner Mutter und eine Schachtel Zigaretten.


    Da klingelte das Telefon.


    Murdock nahm den Hörer ab. „Sie sprechen mit Officer Murdock, was kann ich für Sie…“ Weiter kam er nicht. Das Kreischen am anderen Ende der Leitung war so markerschütternd und laut, dass es auch von Bradley und McKansey gehört wurde. Dann wurde die Verbindung unterbrochen.


    Als Bradley nach ein paar Sekunden der Stille im Raum auf das Sideboard schaute, bekam er einen Schreck!

...

   Ich habe eine Geschichte erfunden!“ „Eine Geschichte?“ Valerie schaute erwartungsvoll zu ihrer Tochter, die mit Messer und Gabel in der Hand am Tisch saß, die Beine unter dem Stuhl vor und zurück baumeln ließ und sich gerade ein Stück Rindfleisch mit Kartoffelbrei in den Mund geschoben hatte, während sie noch dabei war, die Gabel im Mund herumzudrehen. Kauend konnten Valerie und Marc ein „Eigentlich ist es eine Kriminalgeschichte…“ aus dem vollem Mund heraushören. Als sie geschluckt hatte ergänzte sie: „Sie heißt Fubi Affe und das Rätsel“. „Fubi was…?“ Marc blickte fragend zu Jasmin. „Fubi …Affe!“ „Und von was handelt sie?“ „Von einem kleinen Äffchen, das ein Rätsel löst: Fubi! Nachdem er nach Amsterdam gezogen ist.“ „Ein Affe, der nach Amsterdam zieht?“ „Ja, und er kann sprechen!“ Jasmin verteilte das Essen auf ihrem Teller mit kreisenden Bewegungen neu. „Und wie beginnt die Geschichte?“ fragte Valerie. „An der Straße, wo wir gestern waren. Wo die Polizei stand. Mit den Hunden.“ Dabei zog sie eine Grimasse, fletschte ihre kleinen Zähne, worauf ein im Mund befindliches Stück Rindfleisch zum Vorschein kam. Marc schüttelte den Kopf.    

    „Kann ich die Geschichte aufschreiben? Ich brauche meine Malstifte!“ „Ja, natürlich. Sie sind wahrscheinlich noch in einem der Umzugkartons. Oben in Deinem Zimmer. Aber nur, wenn die Geschichte nicht so gruselig wird und ein Happy End bekommt…“ Danach wandte er sich an Valerie: „Sie haben es vorhin in den Nachrichten gebracht. Als wir gestern den Ausflug machten – dort wo die Polizei mit den Hunden war – man fand einen…“ er zeigte auf seinen rechten Arm, „…auf der Straße. Sie bitten die Zuschauer darum, sachdienliche Hinweise zu geben, wenn jemand etwas gesehen hat. Vielleicht ein Unfall mit Fahrerflucht. Schlimme Sache…“


    „Arm…“ kam es aus dem kauenden Mund von Jasmin. „Er lag abgerissen auf der Straße und niemand weiß, wem er gehört. Außer Fubi…“

 

                                                                                         © by Dan Davis, 2015, eine Veröffentlichung ohne ausdrückliche Genehmigung wird untersagt.


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KORMAZZ - Original novel Soundtrack
(Kostenlose Hörprobe Track 9)
0:00/6:22

Kostenlose Hörprobe  aus dem bald erscheinenden Soundtrack zum Roman "KORMAZZ"  von DAN DAVIS, , mit freundlicher Genehmigung von EISENBERG édition musicale/Hanseatic Musikverlag GmbH, administriert von WARNER/CHAPPELL, Hamburg - GEMA.